Die verdrehte Rückführung

des einen zum anderen Ende des Streifens wird heute in großem Maßstab gesellschaftlich organisiert.

Beispielsweise bei unserem System der Mülltrennung. Was als häuslicher Abfall in die Verwandlungsfabrik hineingegeben wird, erfährt dort, teils handverlesen, teils maschinell sortiert, die Transformation zum Wertstoff

Was nicht direkt verwertet werden kann, beispielsweise als flauschiger Wohlfühlfleece, dient indirekt, müllverbrannt als kultureller Energielieferant.

Letztlich bilden dadurch nur noch Schlack und Asche unsere Deponate für die Archäologen der Zukunft. Doch die Fragen und Entdeckungen zukünftiger Archäologen sind kein heutiges Problem. Auch das Für und Wider davon können hier nicht diskutiert werden.

Die Frage, die sich hier stellt, lautet: „Kommt es auch in der Sprache, im Sprechen zu solch verdrehten, deshalb desorientierenden Rückführungen?“

Der Philosoph Søren Kierkegaard stellte sich und seine Leser noch vor die Alternative des „Entweder – Oder“. Das ist für uns heutige keine echte Alternative mehr. Unser Motto lautet - auch aufgrund technischer Machbarkeit - eher „Sowohl – Auch“.

Genau deshalb akzeptiert der DUDEN® als maßgebliches Wörterbuch der deutschen Sprache mit der Rechtschreibreform mittlerweile auch das „Sowohl - wie“ als korrekten Ausdruck. Die Anwendbarkeit dieser Phrase wird allerdings mit einem merkwürdigen Beispiel belegt. Das nämlich lautet: „Wir können das Modell sowohl mit Benzinmotor wie auch mit Dieselmotor liefern.“ [Ein Untersuchung zur verdrehten sprachlichen Rückführung liefert neuerdings auch: Kann Literaturwissenschaft eine Distanz zu ihrem Gegenstand gewinnen, mit dem sie sich als Wissenschaft konstituieren/behaupten kann? Von: Sambe, Assane; Stenkamp, Norbert, Juni 2015, Bochum]

Deshalb sei an dieser Stelle ein Verbesserungsvorschlag an die Duden-Redaktion gerichtet: „Wir servieren das Menü sowohl mit Suppe oder Frühlingsrolle wie mit Dessert und Espresso.“

Sowohl Entweder-oder wie Und
machen das Programm ganz schön bunt.
Manches gibt’s auch, manches gibt’s nicht,
doch was ist dabei das Hauptgericht?

“Überraschungsteller!” lautet oft genug die Antwort auf diese Frage. Die Tendenz zieht vielfach vom heimischen elektrischen Lagerfeuer zum Buffet oder Barbecue.

Untrügliches Zeichen dafür sind Albert Hammond und Nickelback über deren Lieder sich niemand, o Niemand mehr aufregt über und über dem Ton. Hammond, seine Elterngeneration noch damit schockend, dass er Karriere- und Familienplanung zugunsten einer Free Electric Band unter der Sonne Kaliforniens ausschlug; die Knechtschaft von Wasser und Brot, durchaus verstanden als Gefängnis, nur mit einer Gitarre in der Hand hörbar zu überwinden trachtete: „Just give me bread and water but a guitar in my hand, all I need it’s music and a Free Electric Band“, ist eine Ikone des letzten Jahrhunderts.

Völlig anders, nämlich gleichzeitig viel anspruchsvoller und -loser kommen heute Nickelback mit „I Wanna Be a Rock-Star“ daher. Sie brauchen keine Gitarre in der Hand, sondern gleich ein Dutzend, dafür aber deutlich sichtbar ausstaffiert im Tour-Bus. Das hat den Vorteil, dass die Mädchen gerne kommen und die Drogen billig sind.

Wie oft glauben wir, allzu naiv, wenn wir alles hätten, wäre Alles kein Problem? „The girls come easy and the drugs are cheap.”  Probieren wir es einmal anders herum >>>

 

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